Dienstag, 30. März 2010

Club der Exil- Berliner 2

Auf meinen Beitrag zum "Club der Exil- Berliner" bekam ich viele Kommentare. Unter Anderem diesen hier:

"Cathleen hat gesagt…

... Ansonsten könnte ich dir noch ein paar supernette Exilberliner vermitteln. Eine ganz liebe Freundin ist kurz davor ihren superbezahlten Beamtenjob und alles hinzuwerfen nur weil sie wieder nach good old Berlin will. Dabei wartet dort nichtmal wer auf sie. Irgendwie ist das schon seltsam mit den Berlinern, die vermissen ihre Heimat und die Art der Leute irgendwie stärker (oder vielleicht auch lauter?) als alle anderen. Ich kenne sooo viele Zugezogene die alle Heimweh haben, aber die Berliner sind da doch sehr speziell.
Dabei dachte ich früher immer daß es für jemanden der von einer Großstadt in eine Großstadt zieht vielleicht einfacher sei als jemand der vom Dorf kommt oder aus dem tiefsten Bayernland.
Wie gut daß ich mich als Mecklenburger und Halbberliner sowohl in HH als auch in Berlin wohl fühle."
Und Sven hat geantwortet:
@cathleen:
Berlin ist wie eine Insel und Inselbewohner haben bekanntlich meistens leicht einen an der Pfanne."

Ich finde das sehr interessant. Danke für den Denkanstoß, Cathleen!
Ja, warum tun sich die Berliner so schwer mit dem Heimweh?
Hm, ich habe lange darüber nachgedacht. Ich kann hier nur von meinen Empfindungen schreiben.

Als Berliner ist man sehr verwöhnt:
Die U- Bahn fährt alle 3 Minuten, die S- Bahn alle 5 Minuten, der Bus alle 10 Minuten. Busse und Bahnen fahren 24 Stunden am Tag. Man kommt zu jeder Tages- und Nachtzeit überall hin. (Es sei denn, es ist gerade Streik. Oder Bahnen kaputt. Oder Schneefall. Oder alles zusammen.)
Dann ist das Nahverkehrsnetz sehr behinderten- und kinderwagenfreundlich ausgebaut. Fast überall gibt es Rolltreppen oder Fahrstühle.
Einkaufen kann man im Grunde auch zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und man kann die exotischsten Dinge bekommen.
Essen gehen kann man rund um die Uhr. Alle Geschmäcker dieser Welt kann man in Berlin probieren.
Tanzen kann man rund um die Uhr.
Vom kulturellen Angebot mal ganz zu schweigen.
Berlin und die Umgebung sind sehr grün. Wälder und Wiesen laden zur Erholung ein.
Die preußischen Schlösser und Gärten sind einmalig.
In Berlin kann man auch ganz gut weiterleben, ohne ständig seine alte Jugendliebe oder die doofen Klassenkameraden, die einen gemobbt haben, zu treffen. Die Stadt ist groß genug für alle. Zieht man in einen anderen Bezirk, sieht man die Leute nie wieder.

Friedrich der Große , König von Preußen, hat gesagt:

"In meinem Staate kann jeder nach seiner Fasson selig werden."

Ich denke, deshalb wollen viele in Berlin leben. Hier kann man sein Ding machen. Ganz unbehelligt. Was auch ein Problem darstellt. Die Großstadt ist nunmal anonym.
...

Oh, ich glaube, ich kriege gerade Heimweh.
Kein Berliner zieht freiwillig aus der Stadt weg. Die Sehnsucht nach der Stadt wird immer bestehen bleiben.
Manche könnten nicht in Berlin leben. Ständige Baustellen, Dreck, Lärm, Unfreundlichkeit - damit muß man auch zurechtkommen. Der Berliner meckert auch ganz gerne. "Da gibt es nüscht zu meckern!" ist als Kompliment zu verstehen ;-)


Um mit den Worten von Anneliese Bödecker zu enden:

"Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch, Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen wo man geht und steht - aber mir tun alle Menschen leid, die hier nicht leben können."

13 Kommentare:

  1. ich hab kein heimweh. bin ich eine ausnahme? ok, ich komme aus dem wedding - vielleicht liegt es ja da dran ;)
    wenn ich heimweh habe, dann fahre ich hin, besuche meine lieben und bin einige tage später froh, wieder zu hause zu sein. ohne bei jedem zweiten schritt auf den bürgersteig achten zu müssen, ob sich irgendwo eine neue tretmine auftut :)
    meckern.. jau. das kann ich auch. auch heute noch ☺
    ich tu mich hier allerdings mit einer einzigen sache schwer. für mich sind und bleiben das pfannkuchen und keine berliner *grins*
    genau wie grüne gurken ;)

    vlg tine

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  2. Ich versteh dich, ich hätte auch Heimweh!
    Dass jeder hier nach seiner Fasson selig werden kann, das ist es wohl. Und dass man hier nicht so viel Geld braucht finde ich auch schön. Dass Geld so wenig "gezeigt" werden muss weil alle nicht so viel haben im Vergleich zu HH, Frankfurt oder München.
    Vielleicht ziehst du ja auch eines Tages zurück...
    (Vor allem gebürtige Berliner bleiben ja nicht lange im Exil :-)

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  3. . . . das ging mit dem heimweh so bis ich 40 wurde, bis die mauer aufging, bis die sog. globalisierung (west)berlin erreichte.
    danach änderte sich vieles schlagartig – und nicht nur zum besten.
    die U-Bahnen fahren längst nicht mehr alle drei minuten; 7. minuten ist der kürzeste takt ! durchschnittlich sind es 12 . . .an den WoE sogar 15
    die busse sind immer noch unpünktlich - und die S-Bahn ist nun wirklich eine Katastrophenbahn geworden . . . und keines dieser verkehrsmittel fährt täglich 24 stunden rund um die uhr.
    und das war übrigens auch vor einem jahr schon so . . . verklärt heimweh wirklich dermaßen ?
    Berlin ist politisch versumpft, wirtschaftlich heruntergekommen und menschlich ziemlich unerträglich abgedreht.
    der vielbeschworene Ku-damm besteht aus langweiligen einheits-klamotten-ketten,
    das KaDeWe hat sein sortiment mehr als auf 50% reduziert und machte unlängst schlagzeilen mit gammeligen lebensmitteln zu höchtspreisen
    was also ist hier noch besonders in dieser Stadt?
    die taxifahrer? – hah, da fahren inzwischen mehr als 40% „schwarz“ ohne gültige papiere, zulassung und können nicht mal mehr deutsch . . . fahrtziel ? Navi . . . ! oder ich muß sagen wo es lang gehen soll . . .
    demnächst werden wir noch weiter zur provinz werden wenn der dann einzige - von einst drei gut funktionierenden- flughä/afen kilometerweit vor den toren der stadt liegen wird . . .

    wenn wir es könnten, wären wir schon lange weg.
    weit weg.
    nur raus hier.

    aber das liegt wohl daran, dass ich/wir weit jenseits der 35 bin/sind . . . keine billigsupermärkte bevorzugen, kein mieses essen aus verdreckten küchen bahnhofsähnlicher gaststätten oder sog. restaurants essen mögen, und es hassen auf vollgespuckten und voll gerotzten gehwegen zu fuß unterwegs zu sein.

    nein, nein, heimweh habe ich nicht nach diesem berlin.
    mir bleibt eine wehmütige erinnerung an heimweh; nach meinem guten alten berlin

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  4. Hm, ich komme aus`, lütten Kiel, habe wohntechnische Abstecher nach Hamburg und Hannover gemacht und bin seit etwa 10 Jahren zurück in der Heimat! Nicht dass ich Kiel besonders schön fände, aber die Menschen hier liegen mir einfach...! Okay, der Strand ist im Sommer toll, dass man fast überall mit dem Fahrrad hinkommt, ist wirklich praktisch...ebenso dass eine Taxi-Fahrt von einer Ecke in die andere echt erschwinglich ist... :)

    Hamburg ist als Stadt auch wirklich schön (na gut, das steht & fällt mit dem Stadtteil), aber wirklich teuer! Daher konnte ich das Wohnen dort während meiner Ausbildungszeit nicht so wirklich genießen. Die oberflächlichen Menschen in Hamburg gingen mir ganz schön auf die Nerven...Understatement ist nicht gerade die hanseatische Art (nicht falsch verstehen: ich kenne auch ganz viele wirklich nette Hamburger, aber diese Anderen ließen einen das "NichtDazuGehören" ganz schön spüren)!

    Ganz anders geht es mir immer in Berlin: Hatte ich doch vermutet, es sei wie Hamburg... nur noch größer, musste ich mich wirklich eines Besseren belehren lassen! Ich habe die Berliner als äußerst freundliches Völkchen erlebt, die Stadt ist reizvoll, abwechslungreich und spannend. Die Sprache klingt frech und sympathisch.
    Okay, habe ich diese Stadt vielleicht auch nur mit den Augen eines Urlaubers gesehen...ich kann Dich trotzdem verstehen...!

    Versuche aber einfach auch das Schöne an Deinem neuen Zuhaue zu sehen, z.B. das Schöne, viel mehr Zeit als Familie verbringen zu können,... - und Berlin bleibt immer eine kleine Reise wert :)

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  5. Tja, an allen Ausführungen ist etwas Wahres dran... Die 2. Frau meines Vaters hat ebenso HEIMWEH hier... findet Hamburg auch eher provinziell.
    Ich selbst könnte nie in Berlin leben, zu laut, Baustellen usw. Und es stimmt wohl auch, die Berliner sind schon speziell (ich meine, die Hamburger auch, klar, immer schön hanseatisch unterkühlt..., aber ich kann damit leben, hi) und leben vieles vielleicht mehr lauthals aus... Mir fällt das immer wieder in diesen Radio-Sendungen auf, wo Leute "auf den Arm" genommen werden und da wird oft in Berlin angerufen (weil man in HH es ja wohl gleich wissen würde..) und die schimpfen wirklich immer richtig schon motzig und lauthals los... Ich denke, das macht der "Hanseat" an sich nicht...
    Aber für jeden ist wohl halt da die Heimat, wo er geboren wurde oder sich wohlgefühlt hat...
    Viele Grüße von einer "unterkühlten Hanseatin"
    :-)

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  6. @Anonym

    Bist'n echter Berliner, wa?!
    Immer was zu meckern.
    Wahrscheinlich hast Du noch nicht woanders gewohnt, sonst wüßtest Du das Verkehrsnetz in Berlin trotz der vielen Pannen zu schätzen ;-)
    Fühl Dich nicht auf den Schlips getreten, ja?!

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  7. Hmmmm, also DAS Berlin, das Du beschreibst, habe ich in den 2 Jahren hier noch nicht entdeckt und die nettesten Busfahrer gibts immernoch in Hamburg! :(

    Mir geht diese Stadt hier so sehr auf den Senkel, daß ich jeden Tag glücklich über die 700 Meter bin, die mich von der Stadtgrenze trennen.

    Ich finde, daß man nicht als explizit "Berliner" sein liebgewonnenes Zuhause auf so besondere Art vermisst, sondern auch als Südpfälzer, Mecklenburgerin, Hamburger oder Ostsachse tun kann.

    Eine Liebeserklärung bekommt Berlin wohl mein Lebtag nicht. *lach*
    Aber ich finde, daß wir, wenn wir schon hier unser Dasein fristen müssen, eine der schönsten Ecken UM die Hauptstadt gefunden haben, die uns viel Ruhe und Entspannung schenkt, die wir in HH sogar innerhalb der Stadtgrenze haben durften.

    Gestern bin ich die Florastrasse hochgelaufen und habe die ganze Zeit an DICH gedacht!!!!
    Insofern war es ein schönes Erlebnis. :)

    LG! Die Trulla

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  8. Also was den öffentlichen Nahverkehr betrifft, lebe ich wohl in dem gleichen Berlin, in dem auch der anonyme Kommentator lebt (und ich habe sowohl den Vergleich zu Hamburg als auch zu anderen Städten). Nicht nur was den Takt betrifft, sondern gerade auch die Kinderwagen-/Behindertenfeundlichkeit oder besser gesagt -unfreundlichkeit. Aber ich glaube das ist alles ganz normal, wenn man etwas Heimweh hat und sich nicht ganz angekommen fühlt. Am sympathischsten an Berlin im Vergleich zu anderen Städten finde ich, dass man kein Geld braucht, um jemand zu sein.

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  9. @anonym: da muss ich auch wiedersprechen. es ist diese sicht auf die stadt, die aus diesem blickwinkel keine chance haben kann. nein, die u-bahnen fahren öfter, auch am wochenende. und man kann auch nachts unterwegs sein, vielleicht nicht zu jeder kleckerhaltestelle, aber im großen und ganzen geht das. was stören mich "schwarzfahrende" taxifahrer oder die preise im kadewe? klar ist in berlin vieles mist.
    aber schön, dass wenigstens einem berlin nicht passt. sind schließlich mehr als genug, die hier her wollen und die all das schöne, das bunte und chaotische zu schätzen wissen. und
    @frau brise: machense mal bitte nich zu viel werbung, ja? sonst treiben es die mieten im kiez noch turbulenter :-)

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  10. ich als exil-berlinerin, exil-hamburgerin und exil-finnin muss sagen: helsinki hat mir am allerbesten gefallen :)

    in finnland durften wir sogar umsonst im ÖPNV fahren, wenn der kinderwagen dabei war .p

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  11. Also, ich denke es liegt vielleicht nicht so sehr an Berlin, als vielmehr an Hamburg und dem Hamburger Umland. Wir sind aus Hannover hierher gekommen und wollen eigentlich seit unserer Ankunft wieder zurück.

    Mich nervt am allermeisten das Hamburg ach-so-szenig sein soll, alles ist so cool, so durchgestylt, so angesagt - fährt man aber mit der U-Bahn, sind die Leute genau so hergezogen und unszenig, teilweise prollig und billig wie überall.

    Und hier an unserem Wohnort finde ich das snobistische wir-sind-was-besseres-weil-wir-im-Speckgürtel-wohnen und diese latente Unhöflichkeit (GRÜßEN? Ich kenn Sie doch gar nicht! - und das, obwohl wir hier auf dem Dorf wohnen) einfach to-tal daneben.

    Wenn wir könnten wie wir wollten, wären wir schon wieder weg. Leider haben wir uns aber mit einer Immobilie (die sich auch noch als absoluter Fehlkauf entpuppte), die wir nicht ohne große Verluste wieder los würden, hier gebunden. Persönliches Pech, aber wir sind seit 6 Jahren hier und irgendwie 'immer auf dem (Ab-)Sprung'.

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  12. Mir fällt grade auf daß viele Hamburger (gibt es die "echten" überhaupt noch?) immer total auf Berlin schimpfen weil es sei ja so dreckig und vor allem soooooo riesig.
    Das Geschimpfe hören die in ihre Stadt verliebten Berliner natürlich üüüüberhaupt nicht gerne (die Hamburger können es übrigens auch nicht ab wenn jemand ihre schöne Stadt beschimpft)und finden deswegen HH auch doof.
    Ich kann das zwar nicht wirklich nachvollziehen weil ich auch viele Ähnlichkeiten entdecken kann, aber was solls.
    Den Randberlinern, allen voran mein Potsdamer Männe scheint das genauso zu gehen.
    Ich als Mecklenburger/Rostocker/Ostseekind und auch sehr Heimatverbundener Mensch würde übrigens genauso gerne in Berlin wohnen wie ich es jetzt in Hamburg tue.
    Deswegen genieße ich einfach unsere regelmäßigen Stippvisiten in Berlin, als auch unseren Freundeskreis dort und hätte keine Angst davor falls es meinen Freund doch mal wieder in die Heimat ziehen sollte. Gibt es dort doch vieeeel schönere Seen und der Weg in meine echte Heimat ist genauso weit.

    Nachtrag vom über die Schulter guckendem Männe warum Berliner Ecke besser sei:
    mehr Seen und Wald drumrum
    alles ist irgendwie "netter"
    Radio 1
    da heißt es wenigstens Pfannkuchen
    die reden wenigstens vernünftig und keiner beschwert sich daß es ja zu derbe sei was man grad gesagt hat

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  13. Haha. Das ist so toll. Ich liebe es und weiß schon, warum ich das Hamburg vs. Berlin Blog schreibe.

    Es ist ja nicht alles schlimm in Hamburg. Es ist eben anders.

    Allein über den HVV vs. BVG kann man stundenlang diskutieren.

    Und wisst ihr was?
    Der Anonyme Kommentator hat Recht. In Berlin ist inzwischen vieles "schlechter" als in Hamburg. In Berlin redet man sich vieles schön und hat dazu noch tolle Erinnerungen, da ist alles bekanntlich noch schöner.

    Als Trost für die Hamburger:

    In Hamburg kann man i.d.R. einen Bus, der soeben losfährt, ohne Probleme nochmal anhalten um einzusteigen!
    Dieses "zum-Bus-rennen-und-winken" klappt hier tatsächlich. Die halten an und je nach Tageslaune Grüßen die Busfahrer sogar.

    Versucht das mal in Berlin. Unvorstellbar in der Hauptstadt.

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