Auf meinen Beitrag zum "
Club der Exil- Berliner" bekam ich viele Kommentare. Unter Anderem diesen hier:
"Cathleen hat gesagt…
... Ansonsten könnte ich dir noch ein paar supernette Exilberliner vermitteln. Eine ganz liebe Freundin ist kurz davor ihren superbezahlten Beamtenjob und alles hinzuwerfen nur weil sie wieder nach good old Berlin will. Dabei wartet dort nichtmal wer auf sie. Irgendwie ist das schon seltsam mit den Berlinern, die vermissen ihre Heimat und die Art der Leute irgendwie stärker (oder vielleicht auch lauter?) als alle anderen. Ich kenne sooo viele Zugezogene die alle Heimweh haben, aber die Berliner sind da doch sehr speziell.
Dabei dachte ich früher immer daß es für jemanden der von einer Großstadt in eine Großstadt zieht vielleicht einfacher sei als jemand der vom Dorf kommt oder aus dem tiefsten Bayernland.
Wie gut daß ich mich als Mecklenburger und Halbberliner sowohl in HH als auch in Berlin wohl fühle."
Und Sven hat geantwortet:
@cathleen:
Ich finde das sehr interessant. Danke für den Denkanstoß, Cathleen!
Ja, warum tun sich die Berliner so schwer mit dem Heimweh?
Hm, ich habe lange darüber nachgedacht. Ich kann hier nur von
meinen Empfindungen schreiben.
Als Berliner ist man sehr verwöhnt:
Die U- Bahn fährt alle 3 Minuten, die S- Bahn alle 5 Minuten, der Bus alle 10 Minuten. Busse und Bahnen fahren 24 Stunden am Tag. Man kommt zu jeder Tages- und Nachtzeit überall hin. (Es sei denn, es ist gerade Streik. Oder Bahnen kaputt. Oder Schneefall. Oder alles zusammen.)
Dann ist das Nahverkehrsnetz sehr behinderten- und kinderwagenfreundlich ausgebaut. Fast überall gibt es Rolltreppen oder Fahrstühle.
Einkaufen kann man im Grunde auch zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und man kann die exotischsten Dinge bekommen.
Essen gehen kann man rund um die Uhr. Alle Geschmäcker dieser Welt kann man in Berlin probieren.
Tanzen kann man rund um die Uhr.
Vom kulturellen Angebot mal ganz zu schweigen.
Berlin und die Umgebung sind sehr grün. Wälder und Wiesen laden zur Erholung ein.
Die preußischen Schlösser und Gärten sind einmalig.
In Berlin kann man auch ganz gut weiterleben, ohne ständig seine alte Jugendliebe oder die doofen Klassenkameraden, die einen gemobbt haben, zu treffen. Die Stadt ist groß genug für alle. Zieht man in einen anderen Bezirk, sieht man die Leute nie wieder.
Friedrich der Große , König von Preußen, hat gesagt:
"In meinem Staate kann jeder nach seiner Fasson selig werden."
Ich denke, deshalb wollen viele in Berlin leben. Hier kann man sein Ding machen. Ganz unbehelligt. Was auch ein Problem darstellt. Die Großstadt ist nunmal anonym.
...
Oh, ich glaube, ich kriege gerade Heimweh.
Kein Berliner zieht freiwillig aus der Stadt weg. Die Sehnsucht nach der Stadt wird immer bestehen bleiben.
Manche könnten nicht in Berlin leben. Ständige Baustellen, Dreck, Lärm, Unfreundlichkeit - damit muß man auch zurechtkommen. Der Berliner meckert auch ganz gerne. "Da gibt es nüscht zu meckern!" ist als Kompliment zu verstehen ;-)
Um mit den Worten von Anneliese Bödecker zu enden:
"Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch, Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen wo man geht und steht - aber mir tun alle Menschen leid, die hier nicht leben können."